{"id":152,"date":"2014-01-31T12:27:50","date_gmt":"2014-01-31T11:27:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/?p=152"},"modified":"2023-02-09T18:36:03","modified_gmt":"2023-02-09T17:36:03","slug":"east-is-east-and-west-is-west","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/east-is-east-and-west-is-west\/","title":{"rendered":"East is East, and West is West"},"content":{"rendered":"<p><strong>Insektenbilder von Milena Aguilar, Maria Sibylla Merian (1647\u20131717), Kitagawa Utamaro (1753\u20131806) und Gabriela Volanti<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Ausstellung<\/strong><\/em><br \/>\n31.01.2014 \u2014 16.04.2014<br \/>\nGalerie Claudia Delank | Bleibtreustr. 15\u201316, 10623 Berlin<\/p>\n<p><em><strong>Katalog<\/strong><\/em><br \/>\n&#8222;East is West and West is West. Insektenbilder von Milena Aguilar, Maria Sibylla Merian, Kitagawa Utamaro und Gabriela Volanti&#8220; (Berlin 2014).<br \/>\nMit Aufs\u00e4tzen von Horst Bredekamp, Claudia Delank, Davide Ferri.<br \/>\nBestellungen per E-Mail oder Fax.<\/p>\n<p><em><strong>Milena Aguilar f\u00fchrt in die Technik des Radierens ein<br \/>\n<\/strong><\/em>13.02.2014 | 18:00 Uhr<br \/>\nGalerie Claudia Delank | Bleibtreustr. 15\u201316, 10623 Berlin<\/p>\n<p><em><strong>Atelierbesuch bei Gabriela Volanti<\/strong><\/em><br \/>\n22.02.2014 | 15:00 Uhr<br \/>\nKunstraum Kreuzberg\/Bethanien | <span class=\"_Xbe\">Kottbusser Str. 10, 10999 Berlin<\/span><\/p>\n<p><em><strong>Vortrag von Dr. Claudia Delank &#8222;Geschichte und Technik des japanischen Farbholzschnitts&#8220;<\/strong><\/em><br \/>\n12.03.2014 | 18:00 Uhr<br \/>\nGalerie Claudia Delank | Bleibtreustr. 15\u201316, 10623 Berlin<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-154\" src=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_aguilar.jpg\" alt=\"140131_aguilar\" width=\"399\" height=\"318\" srcset=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_aguilar.jpg 399w, http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_aguilar-300x239.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/><\/p>\n<p>Zum ersten Mal wird in Berlin ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Ensemble von Arbeiten zeitgen\u00f6ssischer westlicher K\u00fcnstlerinnen und Grafikk\u00fcnstler aus dem 18. Jahrhundert aus Japan und Europa zusammen ausgestellt.<\/p>\n<p><em>Oh, East is East, and West is West, and never the twain shall meet, <\/em><br \/>\n<em>Till Earth and Sky stand presently at God s great Judgment Seat;<\/em><br \/>\n<em>But there is neither East nor West, Border, nor Breed, nor Birth,<\/em><br \/>\n<em>When two strong men stand face to face, tho\u00a0 they come from the ends of the earth.<\/em><\/p>\n<p>Mit diesen Worten thematisiert der britische Schriftsteller und Dichter Rudyard Kipling (1865\u20131936) in seiner 1889 erschienenen <em>The Ballad of East and West<\/em> das Verh\u00e4ltnis zwischen Ost und West. Ost und West geographisch ohne Zweifel auf dem Kompass entgegengesetzt und werden sich niemals treffen. Aber wenn\u00a0 zwei starke Menschen sich treffen, egal, welcher Nationalit\u00e4t, Rasse oder Familie\u00a0\u2013 sind sie ebenb\u00fcrtig.<\/p>\n<p>Der von Kipling angedeutete Gegensatz als Dualismus zwischen Trennung und Zusammenkommen, zwischen Divergenz und Konvergenz bildet das gedankliche Zentrum dieser Ausstellung. Gerade in den Darstellungen von Insekten werden Prozesse der kulturellen Grenzziehung und der Entgrenzung sichtbar, sowohl in einer geographischen als auch in einer zeitlichen Dimension.\u00a0 Jedes Lebewesen und sei es noch so klein ist ein Wunder der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Die Radierungen von <strong>Milena Aguilar<\/strong> zeigen fragile Gebilde von Insekten: abgestorbene K\u00f6rper, oft auch isolierte K\u00f6rperteile wie Fl\u00fcgel oder Beine. Insekten, ein zentrales Element in Milena Aguilars k\u00fcnstlerischer Produktion, werden zu fragmentarischen Gestalten, die sich filigran komponieren. Die abgestorbenen Insektenk\u00f6rper werden durch ihre ornamentale Anordnung zu einer lebendigen Seherfahrung. Durch die Auseinandersetzung mit Natur, Aufl\u00f6sung, Zeit, Tod und Leben kn\u00fcpfen Milena Aguilars Arbeiten an die Tradition der Stilllebenmalerei an und werden zu einem modernen Ausdruck des Memento Mori. Milena Aguilar studierte an der Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste in Braunschweig, wo sie 1998 bis 2002 einen Lehrauftrag f\u00fcr Druckgraphik hatte, ebenso 2013 an der Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste in Bremen. Ihre Werke wurden in zahlreichen nationalen wie auch internationalen Ausstellungen gezeigt und unter anderen\u00a0 dem Kunstpreis der Stadt Madrid ausgezeichnet. Milena Aguilars Arbeiten befinden sich in zahlreichen \u00f6ffentlichen Sammlungen wie beispielsweise dem Kupferstichkabinett in Madrid. Die K\u00fcnstlerin lebt und arbeitet in Berlin.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-155\" src=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_merian.jpg\" alt=\"140131_merian\" width=\"288\" height=\"399\" srcset=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_merian.jpg 288w, http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_merian-217x300.jpg 217w\" sizes=\"(max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/p>\n<p>Die Insektenforscherin und K\u00fcnstlerin <strong>Maria Sibylla Merian<\/strong>, die mit ihrem Hauptwerk <em>Metamorphosis insectorum Surinamensium<\/em> (1705) zu einer der wichtigsten Wegbereiterin der Entomologie wurde, ist in der Ausstellung mit mehreren Insektenbildern vertreten.<br \/>\nAls mutige Frau reiste sie mit ihrer Tochter ohne m\u00e4nnlichen Schutz auf einem holl\u00e4ndischen Schiff 1699 nach Surinam, einer s\u00fcdamerikanischen Kolonie n\u00f6rdlich von Brasilien gelegen, die sich die Holl\u00e4nder mit den Briten und Franzosen teilten. Ziel der Reise war es, die Insekten in den Tropen zu erforschen, zu zeichnen und Kupferstiche von ihnen anzufertigen. Die handkolorierten Kupferstiche zeigen nicht nur die naturkundlichen Ergebnisse ihrer Reise- und Forschungst\u00e4tigkeit, sie dokumentieren auch die \u00e4sthetische Wirkung, die Begeisterung, den Tropengeist. Nie zuvor waren aus den Tropenl\u00e4ndern Bilder von solcher Eindruckskraft nach Europa gekommen. In ihren Darstellungen von Schmetterlingen, Raupen und Bienen werden nicht nur transkulturelle Prozesse greifbar, sondern auch die immer noch sehr aktuelle wissenschaftshistorische Auseinandersetzung zwischen Naturwissenschaften und k\u00fcnstlerischem Ausdruck, zwischen Natur und Kunst. Sie zeugen von einer gro\u00dfen Lust an der \u00fcppigen Farbigkeit.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-156 size-full\" src=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_utamaro-e1675964158300.jpg\" alt=\"140131_utamaro\" width=\"399\" height=\"271\" srcset=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_utamaro-e1675964158300.jpg 399w, http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_utamaro-e1675964158300-300x204.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/><\/p>\n<p>In seinen Holzschnitten aus dem <em>Ehon mushi erabi<\/em> (Bilderbuch ausgew\u00e4hlter Insekten, 1788), einem Kleinod der japanischen Holzschnittkuns,t verbindet <strong>Kitagawa Utamaro<\/strong>, der vor allem ber\u00fchmt war f\u00fcr seine Frauenpotraits (<em>bijin<\/em>)\u00a0 die Grunds\u00e4tze der japanischen Kunst mit einer naturalistischen Betrachtungsweise und macht es zu einem der sch\u00f6nsten Naturbilderb\u00fccher, die die Kunstgeschichte kennt. Walter Jens sagte, dass die\u00a0 deutsche Faksimile Ausgabe des Insektenbuches von Utamaro zur Weltliteratur geh\u00f6re. Zum ersten Mal in der japanischen Tradition r\u00fcckt Utamaro die Insekten in den Mittelpunkt und setzt sich programmatisch f\u00fcr eine wirklichkeitsgetreue Darstellung der Tiere ein. In der Technik des Holzdruckverfahrens \u00e4u\u00dferst verfeinert mit Glimmerdruck (<em>mika<\/em>)\u00a0 auf den Zikadenfl\u00fcgeln. Die Darstellung von Insekten, zu denen in Japan auch Fr\u00f6sche und Schlangen geh\u00f6ren, sind kombiniert mit Kurzgedichten, die aus einem Wettstreit von Poeten ausgeschrieben von dem Verleger Juzaburo hervorgegangen waren. Die Dichter sa\u00dfen im Sommer 1788 am Flussufer lauschten dem Musizieren der Grillen und Zikaden und lie\u00dfen sich zu Gedichten mit amour\u00f6sen Anspielungen inspirieren. Dies war eine Besch\u00e4ftigung, der man in Japan seit dem 10. Jahrhundert nachging. Utamaros Insektenbuch dokumentiert eine Hinwendung zum Realismus der japanischen k\u00fcnstlerischen Produktion des sp\u00e4ten 18. Jahrhunderts und bildet somit das Pendant zu den westlichen Insektenbildern von Maria Sibylla Merian. Die Werke der beiden K\u00fcnstler verbindet eine erotisch sinnliche Sicht auf die Insekten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-157\" src=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_volanti.jpg\" alt=\"140131_volanti\" width=\"375\" height=\"399\" srcset=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_volanti.jpg 375w, http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/140131_volanti-282x300.jpg 282w\" sizes=\"(max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/p>\n<p>Die Fl\u00fcgelskulpturen der Berliner K\u00fcnstlerin <strong>Gabriela Volanti<\/strong> sind gro\u00dfformatige Strukturen aus gefaltetem Zeitungspapier, die fein vern\u00e4ht und mit \u00d6lfarbe \u00fcbermalt werden. Durch die formale Reduktion einerseits und die gro\u00dfe symbolische Kraft andererseits werden Gabriela Volantis Arbeiten zu archaischen Erscheinungen von Lebensformen. Das Archaische verschr\u00e4nkt sich mit den zeitgen\u00f6ssischen gestalterischen Mitteln und erzeugt somit eine einzigartige zeitliche und inhaltliche Verdichtung des Insektenbildes.<\/p>\n<p>Durch diese vier k\u00fcnstlerischen Positionen werden Schmetterlinge, Bienen, K\u00e4fer, Gottesanbeterinnen, Raupen und Nachtfalter zum Spiegel transkultureller und interdisziplin\u00e4rer Prozesse zwischen Osten und Westen, zwischen \u00e4sthetischem und naturwissenschaftlichem Interesse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Insektenbilder von Milena Aguilar, Maria Sibylla Merian (1647\u20131717), Kitagawa Utamaro (1753\u20131806) und Gabriela Volanti Ausstellung 31.01.2014 \u2014 16.04.2014 Galerie Claudia Delank | Bleibtreustr. 15\u201316, 10623 Berlin Katalog &#8222;East is West and West is West. Insektenbilder von Milena Aguilar, Maria Sibylla Merian, Kitagawa Utamaro und Gabriela Volanti&#8220; (Berlin 2014). 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