{"id":226,"date":"2012-06-01T18:25:52","date_gmt":"2012-06-01T16:25:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/?p=226"},"modified":"2016-06-20T18:53:00","modified_gmt":"2016-06-20T16:53:00","slug":"kunst-im-kontext-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/kunst-im-kontext-ii\/","title":{"rendered":"Kunst im Kontext II"},"content":{"rendered":"<p><strong>Japanische Tuschzeichnungen von Katsushika Hokusai und Utagawa Kuniyoshi sowie Zeichnungen und Photographie von Milena Aguilar, David Austin, G\u00fcnther F\u00f6rg, Takashi Homma, Leiko Ikemura, Max Liebermann, Sakiko Nomura, Thomas Rieck, Hiroshi Sugimoto<\/strong><\/p>\n<p><em>Ausstellung<\/em><br \/>\n01.06.2012 \u2014 31.07.2012<br \/>\nGalerie Claudia Delank |\u00a0Bleibtreustr. 15\u201316, 10623 Berlin<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-252\" src=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/120601_kik_02_02.jpg\" alt=\"120601_kik_02_02\" width=\"400\" height=\"328\" srcset=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/120601_kik_02_02.jpg 400w, http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/120601_kik_02_02-300x246.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Die Entwicklung der Kunst vollzog sich schon immer wesentlich durch Inspiration von au\u00dfen, durch das Unbekannte und zuvor Ungesehene. Vor allem exotische Artefakte faszinierten von jeher den europ\u00e4ischen K\u00fcnstler und haben seine Werke auf verschiedenste Weise beeinflusst. In Bezug auf Japan gilt dies besonders seit der \u00d6ffnung des Landes in den 1850er Jahren, die einen interessierten und regen Austausch in beide Richtungen einl\u00e4utete und im Japonismus in Paris in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts gipfelte. In der zeitgen\u00f6ssischen Kunst ist die gegenseitige Befruchtung zwischen Europa und Asien ungebrochen, wenn auch noch vielf\u00e4ltiger und subtiler, da sie nicht mehr allein von der Anziehungskraft des Fremden, sondern von einer Interaktion der Kulturen sowie der Individuen getragen wird. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Kreidezeichnung <em>Kampf mit dem B\u00e4ren<\/em> (ca. 1914) von Max Liebermann (1847\u20131935) und eine Tuschezeichnung eines unbekannten japanischen Malers aus dem 19. Jahrhundert. Bei <em>Kampf mit dem B\u00e4ren<\/em>\u00a0handelt es sich um eine Allegorie auf die Schlacht bei Hohenstein im Jahre 1914, in der deutsche und russische Truppen aufeinandertrafen. Auf Hindenburgs ausdr\u00fccklichen Wunsch wurde diese Begegnung in &#8222;Schlacht bei Tannenberg&#8220; umbenannt, um eine gleichnamige Schlacht von 1410 zu \u00fcberstrahlen. Daher ist die Lithographie nach dieser Kreidezeichnung, 1914\/15 in der Zeitschrift <em>Kriegszeit<\/em> von Paul Cassirer in Berlin herausgegeben, auch mit <em>Herkules-Hindenburg erschl\u00e4gt den russischen B\u00e4ren<\/em> betitelt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-253\" src=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/120601_kik_02_01.jpg\" alt=\"120601_kik_02_01\" width=\"400\" height=\"285\" srcset=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/120601_kik_02_01.jpg 400w, http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/120601_kik_02_01-300x214.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Die Tuschezeichnung zeigt den Gl\u00fccksgott Daikoku, einen der sieben japanischen Gl\u00fccksg\u00f6tter, der f\u00fcr Wohlstand und Reichtum zust\u00e4ndig ist und hier als Bildhauer agiert. W\u00e4hrend in der Liebermann-Zeichnung Herkules zum t\u00f6dlichen Schlag gegen einen B\u00e4ren ausholt, erhebt Daikoku seinen Gl\u00fcckshammer zur Vollendung der Skulptur eines Fuchses, der f\u00fcr Gl\u00fcck und Fruchtbarkeit steht. Beide G\u00f6tter, die aus so unterschiedlichen Religionen stammen, vereint die identische Geste, die einmal einen Akt der Sch\u00f6pfung, einmal einen Todessto\u00df bedeutet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-254\" src=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/120601_kik_02_03.jpg\" alt=\"120601_kik_02_03\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/120601_kik_02_03.jpg 300w, http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/120601_kik_02_03-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Die Bilder des Hamburger K\u00fcnstlers Thomas Rieck (*1951) und der aus Japan stammenden Leiko Ikemura (*1951), Professorin f\u00fcr Malerei an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste in Berlin, verbindet ihre lasierende Tuschtechnik. Die Bilder <em>o. T.<\/em> (1998) und <em>Waldwesen<\/em> (2006) wirken wie zwei Seiten einer Medaille, wobei Riecks brutale Inszenierung in die elegische Naturstimmung Ikemuras hin\u00fcberzufliegen scheint. Beide K\u00fcnstler beschr\u00e4nken sich auf gedeckte Erdt\u00f6ne, die sie nur durch wenige, pointiert eingesetzte Farben erg\u00e4nzen. Der w\u00e4ssrige Farbauftrag in beiden Kunstwerken l\u00e4sst die Darstellungen zugleich sph\u00e4risch und vom Zufall mitbestimmt wirken. Ikemuras Arbeiten stehen der japanischen Mythologie nahe, auch wenn in diesem Aquarell, dessen Sujet von der K\u00fcnstlerin zudem in Terrakotta umgesetzt wurde, die universelle Verbundenheit von Mensch und Natur in einem Zwitterwesen ihren Ausdruck findet. Rieck hingegen thematisiert die Widernat\u00fcrlichkeit und Unmenschlichkeit der NS-Zeit, indem er einen Soldaten in Uniform bei Schie\u00df\u00fcbungen zeigt. Wichtig war dem K\u00fcnstler\u00a0vor allem die Betonung der ziellosen und unbestimmten Aggression, einer Art &#8218;gefrorenen Bedrohung&#8216;.\u00a0Einen Bogen zwischen Kontinenten, Generationen und Epochen schlagen die Portr\u00e4ts Lady Anne Stringers, dem Umkreis des schwedischen K\u00fcnstlers Michael Dahl (1659\u20131743) zugeschrieben, und ein Werk von Takashi Homma (*1962). Das repr\u00e4sentative \u00d6lgem\u00e4lde\u00a0zeigt Lady Anne Stringer, die Gattin des John Fitzwilliam 3rd Earl of Milton Park (1719\u20131756) mit einem Scho\u00dfhund als Statussymbol, w\u00e4hrend der japanische Fotograf eine intime und doch seltsam distanzierte Szene mit einem M\u00e4dchen einf\u00fcgt. Eklatant sind die Parallelen im Aufbau zwischen den beiden in Technik und Aussage so unterschiedlichen Kunstwerken, obwohl sie Jahrhunderte und viele k\u00fcnstlerische Revolutionen trennen: Beide Figuren st\u00fctzen sich mit ihrem linken Ellbogen auf einen Tisch, statt eines Hundes h\u00e4lt das kleine M\u00e4dchen ein Schraubglas in der rechten Hand. Den linken Bildhintergrund nimmt jeweils ein Ausblick ein \u2013\u00a0auf eine Landschaft bzw. auf das nur teilweise sichtbare weitere Zimmer. Selbst der Vorhang im rechten Bildmittelgrund findet seine Entsprechung im Schatten eines Regals bei Homma. Nicht zuletzt durch die Kleidung (T-Shirt und Jeans) des Kindes wird der Austausch zwischen Asien und der westlichen Welt deutlich. Dieses Bilderpaar beweist, dass k\u00fcnstlerische Grundpositionen und Traditionen nicht nur durch die Kunst Europas ziehen, sondern auch die japanische Kunst ma\u00dfgeblich beeinflusst haben. Die Auseinandersetzung mit der Architektur des Bauhaus ist Thema der Fotografie <em>Bauhaus<\/em> (1993) von G\u00fcnther F\u00f6rg\u00a0(*1952) und von Takashi Hommas Arbeit aus der Serie <em>Tokyo and my daughter<\/em> (2005). F\u00f6rgs Werk zeigt eine Ikone des Bauhaus: den Barcelona-Pavillon von Mies van der Rohe aus dem Jahr 1929 (1983\u20136 rekonstruiert). Das japanische Architektenteam Sanaa f\u00fchlt sich ebenfalls der Bauhaustradition verpflichtet und seiner schlichten, reduzierten Eleganz verbunden. Dennoch hat es die Formensprache der Klassiker weiterentwickelt, wie sich in spektakul\u00e4ren Geb\u00e4uden wie dem New Museum in New Yorks Bowery, aber auch in dem von Sanaa entworfenen und von Homma festgehaltenen Kleinsthaus in Japan zeigt. Hommas und F\u00f6rgs Fotografien reflektieren die von Vertikalen und Horizontalen dominierte Bauhausarchitektur und untermalen sie ihrerseits durch einen strengen Bildaufbau, der nur von wenigen Details aufgelockert wird. Ausstellungen wie <em>Kunst im Kontext<\/em> erweitern unseren Blick auf europ\u00e4ische und asiatische Kunst und vertiefen unser Verst\u00e4ndnis vom Austausch zwischen den Kulturen, indem sie Verbindungen zwischen Kunstwerken aufzeigen. Dabei fokussiert die aktuelle Ausstellung allerdings nicht nur auf Parallelen, sondern stellt auch\u00a0\u00dcberschneidungen und Br\u00fcche zwischen Werken und Werkgruppen heraus. So vielf\u00e4ltig wie die Ber\u00fchrungspunkte zwischen den Kulturkreisen sind eben auch die Ergebnisse ihrer K\u00fcnstler. (Anna Laug)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Japanische Tuschzeichnungen von Katsushika Hokusai und Utagawa Kuniyoshi sowie Zeichnungen und Photographie von Milena Aguilar, David Austin, G\u00fcnther F\u00f6rg, Takashi Homma, Leiko Ikemura, Max Liebermann, Sakiko Nomura, Thomas Rieck, Hiroshi Sugimoto Ausstellung 01.06.2012 \u2014 31.07.2012 Galerie Claudia Delank |\u00a0Bleibtreustr. 15\u201316, 10623 Berlin Die Entwicklung der Kunst vollzog sich schon immer wesentlich durch Inspiration von au\u00dfen,&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.delank.com\/delank\/kunst-im-kontext-ii\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Kunst im Kontext II<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\" aria-hidden=\"true\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=226"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":269,"href":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226\/revisions\/269"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.delank.com\/delank\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}