Kunst im Kontext

Japanische Tuschzeichnungen von Katsushika Hokusai und Utagawa Kuniyoshi sowie Zeichnungen und Photographie von Milena Aguilar, David Austin, Günther Förg, Takashi Homma, Leiko Ikemura, Max Liebermann, Sakiko Nomura, Thomas Rieck, Hiroshi Sugimoto

Ausstellung
29.02.2012 — 31.06.2012
Galerie Claudia Delank | Bleibtreustr. 15–16, 10623 Berlin

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Die Entwicklung der Kunst vollzog sich schon immer wesentlich durch Inspiration von außen, durch das Unbekannte und zuvor Ungesehene. Vor allem exotische Artefakte faszinierten von jeher den europäischen Künstler und haben seine Werke auf verschiedenste Weise beeinflusst. In Bezug auf Japan gilt dies besonders seit der Öffnung des Landes in den 1850er Jahren, die einen interessierten und regen Austausch in beide Richtungen einläutete und im Japonismus in Paris in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gipfelte. In der zeitgenössischen Kunst ist die gegenseitige Befruchtung zwischen Europa und Asien ungebrochen, wenn auch noch vielfältiger und subtiler, da sie nicht mehr allein von der Anziehungskraft des Fremden, sondern von einer Interaktion der Kulturen sowie der Individuen getragen wird. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Kreidezeichnung Kampf mit dem Bären (ca. 1914) von Max Liebermann (1847–1935) und eine Tuschezeichnung eines unbekannten japanischen Malers aus dem 19. Jahrhundert. Bei Kampf mit dem Bären handelt es sich um eine Allegorie auf die Schlacht bei Hohenstein im Jahre 1914, in der deutsche und russische Truppen aufeinandertrafen. Auf Hindenburgs ausdrücklichen Wunsch wurde diese Begegnung in „Schlacht bei Tannenberg“ umbenannt, um eine gleichnamige Schlacht von 1410 zu überstrahlen. Daher ist die Lithographie nach dieser Kreidezeichnung, 1914/15 in der Zeitschrift Kriegszeit von Paul Cassirer in Berlin herausgegeben, auch mit Herkules-Hindenburg erschlägt den russischen Bären betitelt.

Die Tuschezeichnung zeigt den Glücksgott Daikoku, einen der sieben japanischen Glücksgötter, der für Wohlstand und Reichtum zuständig ist und hier als Bildhauer agiert. Während in der Liebermann-Zeichnung Herkules zum tödlichen Schlag gegen einen Bären ausholt, erhebt Daikoku seinen Glückshammer zur Vollendung der Skulptur eines Fuchses, der für Glück und Fruchtbarkeit steht. Beide Götter, die aus so unterschiedlichen Religionen stammen, vereint die identische Geste, die einmal einen Akt der Schöpfung, einmal einen Todesstoß bedeutet.

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Die Bilder des Hamburger Künstlers Thomas Rieck (*1951) und der aus Japan stammenden Leiko Ikemura (*1951), Professorin für Malerei an der Universität der Künste in Berlin, verbindet ihre lasierende Tuschtechnik. Die Bilder o. T. (1998) und Waldwesen (2006) wirken wie zwei Seiten einer Medaille, wobei Riecks brutale Inszenierung in die elegische Naturstimmung Ikemuras hinüberzufliegen scheint. Beide Künstler beschränken sich auf gedeckte Erdtöne, die sie nur durch wenige, pointiert eingesetzte Farben ergänzen. Der wässrige Farbauftrag in beiden Kunstwerken lässt die Darstellungen zugleich sphärisch und vom Zufall mitbestimmt wirken. Ikemuras Arbeiten stehen der japanischen Mythologie nahe, auch wenn in diesem Aquarell, dessen Sujet von der Künstlerin zudem in Terrakotta umgesetzt wurde, die universelle Verbundenheit von Mensch und Natur in einem Zwitterwesen ihren Ausdruck findet. Rieck hingegen thematisiert die Widernatürlichkeit und Unmenschlichkeit der NS-Zeit, indem er einen Soldaten in Uniform bei Schießübungen zeigt. Wichtig war dem Künstler vor allem die Betonung der ziellosen und unbestimmten Aggression, einer Art ‚gefrorenen Bedrohung‘. Einen Bogen zwischen Kontinenten, Generationen und Epochen schlagen die Porträts Lady Anne Stringers, dem Umkreis des schwedischen Künstlers Michael Dahl (1659–1743) zugeschrieben, und ein Werk von Takashi Homma (*1962). Das repräsentative Ölgemälde zeigt Lady Anne Stringer, die Gattin des John Fitzwilliam 3rd Earl of Milton Park (1719–1756) mit einem Schoßhund als Statussymbol, während der japanische Fotograf eine intime und doch seltsam distanzierte Szene mit einem Mädchen einfügt. Eklatant sind die Parallelen im Aufbau zwischen den beiden in Technik und Aussage so unterschiedlichen Kunstwerken, obwohl sie Jahrhunderte und viele künstlerische Revolutionen trennen: Beide Figuren stützen sich mit ihrem linken Ellbogen auf einen Tisch, statt eines Hundes hält das kleine Mädchen ein Schraubglas in der rechten Hand. Den linken Bildhintergrund nimmt jeweils ein Ausblick ein – auf eine Landschaft bzw. auf das nur teilweise sichtbare weitere Zimmer. Selbst der Vorhang im rechten Bildmittelgrund findet seine Entsprechung im Schatten eines Regals bei Homma. Nicht zuletzt durch die Kleidung (T-Shirt und Jeans) des Kindes wird der Austausch zwischen Asien und der westlichen Welt deutlich. Dieses Bilderpaar beweist, dass künstlerische Grundpositionen und Traditionen nicht nur durch die Kunst Europas ziehen, sondern auch die japanische Kunst maßgeblich beeinflusst haben. Die Auseinandersetzung mit der Architektur des Bauhaus ist Thema der Fotografie Bauhaus (1993) von Günther Förg (*1952) und von Takashi Hommas Arbeit aus der Serie Tokyo and my daughter (2005). Förgs Werk zeigt eine Ikone des Bauhaus: den Barcelona-Pavillon von Mies van der Rohe aus dem Jahr 1929 (1983–6 rekonstruiert). Das japanische Architektenteam Sanaa fühlt sich ebenfalls der Bauhaustradition verpflichtet und seiner schlichten, reduzierten Eleganz verbunden. Dennoch hat es die Formensprache der Klassiker weiterentwickelt, wie sich in spektakulären Gebäuden wie dem New Museum in New Yorks Bowery, aber auch in dem von Sanaa entworfenen und von Homma festgehaltenen Kleinsthaus in Japan zeigt. Hommas und Förgs Fotografien reflektieren die von Vertikalen und Horizontalen dominierte Bauhausarchitektur und untermalen sie ihrerseits durch einen strengen Bildaufbau, der nur von wenigen Details aufgelockert wird. Ausstellungen wie Kunst im Kontext erweitern unseren Blick auf europäische und asiatische Kunst und vertiefen unser Verständnis vom Austausch zwischen den Kulturen, indem sie Verbindungen zwischen Kunstwerken aufzeigen. Dabei fokussiert die aktuelle Ausstellung allerdings nicht nur auf Parallelen, sondern stellt auch Überschneidungen und Brüche zwischen Werken und Werkgruppen heraus. So vielfältig wie die Berührungspunkte zwischen den Kulturkreisen sind eben auch die Ergebnisse ihrer Künstler. (Anna Laug)

Déjà-vu – Abschiedsausstellung

Anlässlich des Umzuges der Galerie Claudia Delank nach Berlin

Ausstellung
18.11.2011 — 30.11.2011
Galerie Claudia Delank | Schaafenstr. 43, 50676 Köln

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Aki no Yume – Herbsttraum

Japanische Farbholzschnitte von Hokusai, Hiroshige u. a.; Yokohama-Photographie und zeitgenössische Photographie von Hiroshi Sugimoto, Sakiko Nomura u. a.

Ausstellung
16.09.2011 —23.11.2011
Galerie Claudia Delank | Schaafenstr. 43, 50676 Köln
Öffnungszeiten: freitags und samstags 14–18 sowie nach Vereinbarung

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„Gern würde ich zum Dank den Tempelgarten freifegen von all den vergilbten Blättern.“

Das Haiku von Basho aus dem oku no hosomichi, dem Reisetagebuch durch die japanischen Nordprovinzen beschreibt die Blätter einer großen Weide, die schon früh herbstgelb geworden sind und sich über den Garten eines Zen-Tempels verstreut haben. Eigentlich möchte Basho gern als Dank für die Übernachtung die Blätter wegfegen. Er spielt mit diesem Gedanken und nutzt ihn als Thema für sein improvisiertes Haiku, das ihm wohl abverlangt wurde. Basho hat den Garten bestimmt nicht gefegt und sich eher an dem Anblick der in der Morgensonne glänzenden verstreuten gelben Blätter erfreut.

Aki no yume – unter dem Thema des „Herbsttraums“ sind Bilder und Installationen der Galerie Claudia Delank im Obergeschoß des Hauses Schaafenstr. 43 zusamemngeführt. Sie illustrieren die frühherbstlichen Veränderungen: die kühle und klare Morgenluft, das warme Licht und am Himmel noch ein blasser abnehmender Mond. Japanische Farbholzschnitte, Tuschemalerei, Yokohama-Photographie und Photographie der zeitgenössischen japanischen Künstlerin Sakiko Nomura unter dem Titel Secret Honey sowie eine Installation der sieben japanischen Glücksgötter bilden die haiku-artige Komposition der Ausstellung, die den Hersbsttraum illustrieren.

Kcokdu

Mythische Tiere aus Korea

Ausstellung
13.04.2011 — 31.07.2011
Galerie Claudia Delank | Schaafenstr. 43, 50676 Köln

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Zum ersten Mal in Deutschland zeigt die Galerie Claudia Delank zur Art Cologne 2011 im Obergeschoß des Hauses Schaafenstr. 43 eine Auswahl von koreanischen Kcokdu (gespr.
‚Kokdu‘). Die mythischen Figuren – Tiere und Menschen aus Holz und Ton, gehören zur traditionellen koreanischen Begräbniszeremonie. Sie schmücken die Bahre und begleiten den Toten in die andere Welt. Darunter sind Musikanten mit ihren Instrumenten, Unterhaltungskünstler und Boten, die die Seele des Toten übernehmen. Sie begleiten ihn und leisten ihm Gesellschaft, bis er in die andere Welt eingegangen ist. Vorne und hinten an der Sänfte sind Drachen angebracht. Ihnen wird die Macht zugesprochen, böse Geister zu vertreiben. Die bunten Figuren aus Holz und Ton reiten auf glückbringenden Tieren wie Tigern, Pferden, Vögeln, Mischwesen aus Einhorn und Löwen oder Phönix. Wildgänse symbolisieren eheliche Harmonie und Hühne sind Vermittler zwischen der Welt der Lebenden und der der Toten. Die Menschen stellen Gelehrte und Literaten dar, die ehrenvoll den Toten repräsentieren. Sie tragen den offiziellen Hut (Bok Du). Auch wurden Holz- und Tonfiguren den Toten mit ins Grab gegeben, so dass sie im Tod dieselben Besitztümer haben wie im Leben. Je nach Status war die Menge der Grabbeigaben genau vorgeschrieben. Die Bahre, auf der der Sarg getragen wurde, gilt als das letzte Haus des Toten. In den Grundzügen ist sie wie ein Haus gebaut, mit einer hölzernen Veranda. Die Ausstattung ist so, als wäre sie für einen Lebenden. Die geschmückte Bahre spiegelt die koreanische Haltung zum Tod in konfuzianistischer, taoistischer und buddhistischer Hinsicht wieder. Das wichtigste ist, dass die Figuren der Tiere und Menschen den Toten vor bösen Geistern schützen und damit auch seine Familie und Nachkommen. Wären die koreanischen Kckdu den Malern des Blauen Reiter vor 1911 bekannt gewesen, sie hätten sie gewiss in ihren Almanach, dem globalen Kunstprojekt, mit aufgenommen.

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In der Ausstellung werden auch koreanische Tigermalereien in der Minhua-Tradition von einem anonymen Maler aus den 30er Jahren gezeigt. In der volkstümlichen Malerei Koreas gilt der Tiger als ein Wesen mit besonderen Kräften. Es gibt eine regelrechte Ikonographie der Tigerbilder in der Minhua Tradition: der Tiger, der von den Bergen herabkommt, eine Verkörperung des Berggeistes oder den lachenden oder Pfeife rauchenden Tiger. Traditionell hängt man in Korea ein Tigerbild zum Schutz des Hauses neben die Haustür. Es soll den Bewohnern Glück, Kraft und langes Leben bringen. Im Werk des ebenfalls ausgestellten zeitgenössischen koreanischen Künstlers Kim Mansu verbinden sich Elemente der Minhua-Tradition mit seiner eigenen Formensprache.